Autofahren kein Kinderspiel
Projekt: Polizei, Feuerwehr und Sanitäter klären Jugendliche über sicheres Fahren auf
Projekt sicheres FahrenSeit vier Jahren gibt es im Kreis Bergstraße das Präventionsprojekt "SchleuderDRAMA". Mitarbeiter der Polizei, der Feuerwehr und des Sanitätswesens wollen damit junge Menschen für verantwortungsvolles Fahren sensibilisieren. Jetzt wurden 100 Schülern der Elisabeth-Selbert-Schule die Folgen zu schnellen Fahrens und des Fahrzeuglenkens unter Alkohol oder Drogeneinfluss mit teils sehr aufrüttelnden Filmen und Bildern aufgezeigt.
Noch liegen keine genauen Zahlen vor, doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich die Anzahl der Verkehrstoten im Kreis Bergstraße in diesem Jahr drastisch erhöht hat. Das geht auch Helfern aus dem Rettungswesen und der Polizei nahe, die vor den Schülern ihre eigenen Emotionen beim Anblick von Unfallopfern schilderten.
Zuvor hatten die jungen Leute ihre persönlichen Zukunftswünsche notiert, die in einen prallen Ballon gelegt worden waren. Dieser Ballon, der auf leichten Druck platzen kann, fungierte als Symbol. Denn wie schnell können diese Wünsche nicht mehr in Erfüllung gehen, wenn ein Unfall geschieht.
Dazu zeigten die Projektleiter Bilder von realen Unglücken und Filmbeiträge. Von einem Moment auf den anderen kann sich die ganze Lebensplanung von einzelnen oder auch mehreren Personen komplett verändern, so die Botschaft. Der Verkehrstoten wurde auch mit einer Schweigeminute gedacht.
Verhaltensmuster einüben
Doch jeder kann selbst seinen Anteil dazu beitragen, um die Straßen sicherer zu machen. Auch darüber wurden die jungen Leute informiert, obwohl die meisten von ihnen schon viel darüber wussten. Doch nach einem feuchtfröhlichen Abend mit der gut gelaunten Clique werden die eigenen Bedenken gerne weggewischt. Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden daher Workshops abgehalten, um das Gehörte zu reflektieren und andere Verhaltensmuster einzuüben.
Außerdem wurden in den Kleingruppen Themen behandelt wie "Rollertuning", "Die Arbeit der Feuerwehren", "Rechtliche Bestimmungen", "Die Arbeit der Notfallseelsorge", "Nico und Alko", "Der Malteser-Rettungsdienst" oder "Ich fahr klar - mobil aber sicher!" Und vielleicht der wichtigste Satz, um sich vor falschen Freunden zu schützen: "Ich darf auch 'Nein' sagen!"
Bärbel Jakob, Südhessen Morgen,
10. Dezember 2015
Wenn Sekunden alles verändern
PROJEKTTAG „SchleuderDrama“ an der Elisabeth-Selbert-Schule
Rund um die Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) reihten sich am Dienstagmorgen Polizeiautos und Feuerwehr aneinander. Für vorbeifahrende Passanten musste es so aussehen, als ob die Beamten im Einsatz sind. Doch es war ein Einsatz der anderen Art. Polizisten, Rettungssanitäter und andere Rettungskräfte waren gekommen, um Präventionsarbeit zu leisten. Der Projekttag für die Schüler ab Klasse 10. hatte „SchleuderDrama“ zum Thema. Die gleichnamige Projektgruppe führt dieses Projekt an vielen Schulen durch, immer unter der Leitung von Peter Hoffmann, Jugendkoordinator der Polizeidirektion Heppenheim.
Diese Gruppe bildete sich vor vier Jahren aus Polizei und Rettungskräften. Kooperationspartner der Polizei sind das Deutsche Rote Kreuz, Freiwillige Feuerwehren, Psychologischer Dienst des Staatlichen Schulamtes des Kreises Bergstraße, Notfallseelsorge Kreis Bergstraße und das Pflegeteam Odenwald. Weiter an diesem Projekttag zu Gast waren Anke Wilk von der Suchtberatung Prisma sowie eine Betroffene, die 30 Jahre alkoholabhängig war und über ihr Leben während dieser Zeit und ihren Weg aus der Abhängigkeit berichtete.
„Das ist ein Projekt der Verkehrsprävention, aber auch der Zivilcourage“, erklärte Peter Hoffmann. Etwa 100 Schüler ab der 10. Klasse nahmen am Morgen im MediaMaxx der Schule Platz. Mit diesem Projekt war die Gruppe um Hoffmann das erste Mal an der Elisabeth-Selbert-Schule. Man habe hier eben auch Führerscheininhaber und vor allem auch -neulinge. Von der Decke des Raums hing ein großer, weißer Luftballon, darin konnte man die bunten Zettel erkennen. Auf den bunten Papieren hatten die Schüler vor einigen Tagen Wünsche für ihre Zukunft notiert, die in diesem Ballon nun aufbewahrt wurden. „Ich habe den Schülern erklärt, dass wir heute hier sind, damit dieser Luftballon nicht platzt und ihre Wunschträume nicht zerstört werden“, berichtete Hoffmann.
Unfallbilder gezeigt
Sie wollen zeigen, was auf den Straßen im Umkreis passiert und nicht in einer weitentfernten Großstadt. Daher wurde zu Beginn den Schülern ein fünfminütiger Film gezeigt. Zu sehen waren Unfallbilder und Szenen, alles real – jedoch ohne die Opfer zu zeigen. Unterstrichen wurden die Bilder mit dem Lied „Nur zu Besuch“ der Toten Hosen. „In diesen Minuten wird es immer ganz ruhig im Saal, man hört nur noch das Atmen der Teilnehmer“, so der Jugendkoordinator.
Nach einer Minute zum Nachdenken wurde den Jugendlichen erklärt, was sie im Falle eines Unfalls zu tun haben. Wer sich mit dieser Rettungskette auskennt, sind die Rettungshelfer, die zu den Schülern sprachen und von ihren eigenen Unfallerfahrungen berichteten. „Da sieht man dann schon dem einen oder anderen Kollegen an, dass sie dabei mit ihren Emotionen zu kämpfen haben“, berichtete Hoffmann. Unterbrochen wurden die einzelnen Beiträge durch weitere kurze Filmsequenzen. Schließlich richtete sich Kreisschulsprecherin Michelle noch an die Schüler – „Botschaften auf Augenhöhe“, wie Peter Hoffmann es nannte. Die Botschaften an die Jugendlichen waren unter anderem, dass man immer einen Plan B haben sollte, wenn es darum geht, nach dem Feiern nach Hause zu kommen.
Am besten sollte man schon vor der Fahrt entscheiden, wer zurück fährt. „Einfach 0,0 Promille – bei uns fährt niemand, wenn er Alkohol getrunken hat“, hieß eine davon. Auch das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Taxen sowie das Abholen durch die Eltern war eine der Botschaften. Auch Botschaften an die Eltern wurden weitergegeben. Der erste Punkt auf dieser Liste für die Eltern war das Sprechen mit dem eigenen Kind. Auch Absprachen seien wichtig sowie kurzes Bescheid geben im Falle eines Ortswechsels, damit zu Hause jemand Bescheid weiß.
Zum Abschluss der Einführung zeigte ein 90 Sekunden-Film den Abriss eines ganzen Lebens, das mit einem Unfall ein plötzliches Ende nahm. Nach einer Pause, um alles sacken zu lassen, wurde in Workshops noch einmal genauer auf das bisher Gesehene und Gehörte eingegangen. Etwa in der Gruppe „Arbeit mit Komapatienten“ oder „Ich darf auch Nein sagen!“. Auch die Arbeit der Feuerwehren wurde erläutert, ebenso wie „Rollertuning und mehr“. In dem Workshop von Peter Hoffmann ging es um das Verhalten in Peergroups – Absprachen sollten im Voraus getroffen werden, eine Taxi-App herunterladen oder die Nummer gespeichert werden. Die Gruppe von Anne Wilk von Prisma hatte zum Thema „Ich fahr klar – mobil, aber sicher“.
Julia Wetzel, Lampertheimer Zeitung,
10. Dezember 2015