Elisabeth-Selbert-Schule Lampertheim (ESS)

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Bildung - Landrat Christian Engelhardt will digitale Ausstattung mit Geräten und Personal weiter vorantreiben 

In der Elisabeth-Selbert-Schule hätte ein IT-Hausmeister gut zu tun, meint der stellvertretende Schulleiter Jürgen Ende.

Viele wussten es schon vorher, aber die Corona-Pandemie hat es noch einmal besonders deutlich zutage gebracht: Die technische Ausstattung vieler Schulen, vor allem mit IT-Geräten und Internetanschlüssen, liegt vielerorts im Argen. „Die Digitalisierung an den Schulen ist ein großes Thema geworden“, sagte Landrat Christian Engelhardt am Donnerstag in einer Video-Pressekonferenz und zeigte auf, wie der Kreis als Schulträger versucht, die Entwicklung voranzutreiben. Es gehe bei der Digitalisierung aber eigentlich „nicht ums Wegstreamen“ des Unterrichts zu den Schülern nach Hause, sondern um den Einsatz digitaler Technik im Unterricht vor Ort. Schon die jüngsten Schüler sollten den sicheren Umgang mit Computern und Lernsoftware lernen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist der Anschluss aller 74 öffentlichen Schulen ans Glasfasernetz. 22 Schulen im Kreis haben ihn bereits. Für die Schulen im Ried hat der Kreis im Herbst 2020 die Telekom damit beauftragt. Wann sie das schnelle Internet tatsächlich bekommen, konnte Landrat Engelhardt nicht sagen. Das sei „eine große Kiste“ und vielerorts seien Tiefbauarbeiten nötig. Das Geld – für alle Schulen im Kreis sind Kosten von etwa drei Millionen Euro veranschlagt – kommt zu einem großen Teil aus Bundes- und Landesmitteln. An 31 Schulen, wo pandemiebedingt kurzfristig schnelleres Internet nötig war, damit Homeschooling überhaupt funktionieren konnte, habe der Kreis für schnellere DSL-Anschlüsse gesorgt. Schulen, an denen die Bandbreite so nicht erhöht werden konnte, erhalten derzeit 450 sogenannte Speedsticks – so zum Beispiel am Donnerstag die Lampertheimer Goetheschule.

Mittel aus dem Digitalpakt

Für einen flächendeckenden WLAN-Anschluss können die Schulen Geld aus dem Digitalpakt des Bundes beantragen. Allerdings muss jede Schule ein Medienkonzept erstellen und pädagogisch begründen, warum sie welche technische Ausstattung haben möchte. „Da muss leider ein ziemlicher Formalismus abgewickelt werden“, bedauert Daniela Vogel von der Stabstelle Bildung und Pädagogik beim Kreis Bergstraße. Der Kreis hat laut Engelhardt für 250 000 Euro ein Konzept erstellen lassen, wie alle Schulen mit WLAN „ausgeleuchtet“ werden können. Die Ergebnisse könne jede Schule für ihr Medienkonzept nutzen.

Außerdem investiere der Kreis in Smartboards. Langfristig sollen alle Klassen- und Fachräume mit diesen interaktiven Tafeln ausgestattet werden. Über 6000 PCs und Notebooks seien in den vergangenen Jahren für den Einsatz in den Schulen angeschafft worden, jüngst zusätzlich knapp 2800 Endgeräte, die an Kinder aus finanzschwachen Familien verliehen werden. Den Lehrern stellt das Land als Dienstherr Leihgeräte dauerhaft zur Verfügung, damit sie besser online unterrichten können. 3000 Stück werde der Kreis bis Ostern verteilen.

Damit all diese Geräte auch genutzt werden können, sei die Unterstützung durch die IT-Abteilung der Kreisverwaltung nötig. Hier habe man in den vergangenen Jahren aufgestockt. Allerdings möchte Landrat Engelhardt langfristig sogenannte IT-Hausmeisterstellen schaffen: „Die Schulen – gerade auch die kleineren und die Grundschulen, die keine entsprechenden Lehrkräfte haben – brauchen einen regelmäßig verfügbaren Ansprechpartner. Das sollte im Schulpersonalkonzept fest eingeplant werden.“

Jürgen Ende, stellvertretender Schulleiter der Elisabeth-Selbert-Schule in Lampertheim wünscht sich eine solche Stelle auch für die Beruflichen Schulen. Ein solcher IT-Hausmeister vor Ort sei wichtig, um Probleme schnell und direkt lösen zu können. Dann könnten auch viele Geräte, die die Beruflichen Schulen zwar besitzen, aber aktuell nicht nutzen können, weil sie beispielsweise nicht die passende Software haben oder sich nicht mit dem WLAN verbinden lassen, endlich in Betrieb genommen werden. Es gebe einen erheblichen Investitions- und Reparaturstau, kein gut funktionierendes Videokonferenz-System, klagt Ende. Zahlreiche Meldungen, die über ein elektronisches System an die Fachabteilung im Landratsamt gingen, blieben unbearbeitet.

„Die Hände gebunden“

Den Lehrern, die zusätzlich als IT-Beauftragte fungieren, seien oft die Hände gebunden, weil sie kaum Administratorrechte haben. „Wir dürfen nichts machen“, bedauert Ende und ist zugleich überzeugt: Wenn nicht die Lehrer sich derart engagiert einbrächten und vieles auch privat anschafften, wäre der Schulbetrieb längst zusammengebrochen. „Hier halten alle tapfer die Fahne hoch und gleichzeitig werden wir beruflichen Schulen stiefmütterlich behandelt. Es wird zu wenig gesehen, dass wir andere Anforderungen auch an technische Ausstattung haben als beispielsweise Grundschulen.“

Ende ärgert es, dass oft die Lehrer für Probleme verantwortlich gemacht werden. Tatsächlich seien viele aber über die Maßen engagiert und bekämen nur unnötig Steine in den Weg gelegt. Kommende Woche werden Landrat Engelhardt und Daniela Vogel, die selbst einmal Schulleiterin der Nibelungenschule in Hofheim war, die Elisabeth-Selbert-Schule besuchen und die aktuellen Probleme erörtern.

Susanne Wassmuth-Gumbel © Berno Nix;

Südhessen Morgen, 26.02.2021

 

 

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